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Differdinger Gemeinderat verabschiedet eine Motion, die der Bevölkerung Sand in die Augen streut

KPL-Rat wehrt sich gegen Herabstufung des Spitals in Niederkorn

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09/11/2012

Es wird verschleiert, dass das Konzept eines »Südspidol« mit einer radikalen Herabstufung des Krankenhauses in Niederkorn einhergeht.

Der Differdinger Gemeinderat führte in seiner Sitzung vom 7. November eine Debatte über den Bau des neuen »Südspidol« in Esch/Alzette und dessen Auswirkungen auf das Krankenhaus in Niederkorn, das bis 2007 als interkommunales Spital der Gemeinden Differdingen, Niederkerschen und Petingen funktionierte. Anschließend fusionierte es mit dem Centre Hospitalier Emile Mayrisch (CHEM), zu welchem, neben dem Escher Spital auch das Krankenhaus in Düdelingen gehört.

Im September 2012 hatte der Verwaltungsrat des Centre Hospitalier Emile Mayrisch einstimmig beschlossen, dass das neue »Südspidol« mit 560 stationären und 40 Tagesbetten, das frühestens im Jahr 2020 in Betrieb gehen wird, nach Esch/Alzette an den Ort genannt »Elsebrich« in der Nähe des Rundkreises Belval kommen soll. Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Krankenhaus in Niederkorn zu einem »medizinischen Zentrum« zurückgestuft werden soll. Dort könnte eine gewisse medizinische Grundversorgung bleiben und durch eine Umweltklinik und eine Rückenschule ergänzt werden. Doch darüber gibt es weiter Unklarheit.

Seitens der Opposition und bis in die Reihen der Majoritätsparteien hinein gab es denn auch Kritik am Standort des neuen »Südspidol« und darüber, dass zu diesem Zeitpunkt keine Klarheit darüber besteht, welche medizinische Dienstleistungen es nach 2020 noch in Niederkorn geben wird. Rat Fränz Schwachtgen, welcher der DP/Déi Gréng-Mehrheit angehört, warnte sogar davor, »eine Katze im Sack zu kaufen«.

Bürgermeister drohte mit Demission

Angesichts der zum Teil heftigen Kritik, welche geäußert wurde, drohte Bürgermeister Claude Meisch (DP) zu einem gewissen Zeitpunkt sogar mit seiner sofortigen Demission als Mitglied des Verwaltungsrats des CHEM, sollte die vom Schöffenrat ausgearbeitete Motion keine Mehrheit bekommen.

Meisch hatte im September im Verwaltungsrat des Centre Hospitalier Emile Mayrisch als Vertreter der Gemeinde Differdingen seine Zustimmung zu allen Plänen des CHEM gegeben, ohne dass es zuvor zu einer Diskussion im Differdinger Gemeinderat kam. Eine Motion der LSAP, in welcher noch ein »Hôpital de proximité« gefordert wurde, war am 25. Juli 2012 auf später zurückgestellt worden.

Die vom Schöffenrat vorgelegte Motion, die den Bau des »Südspidol« in Esch/Alzette begrüßt, den CHEM einlädt, ein durchdachtes Konzept für das Spital in Niederkorn vorzulegen und die Regierung bittet, sich um Ersatzarbeitsplätze zu bemühen, sollte ein Teil der Arbeitsplätze in Niederkorner Krankenhaus wegfallen, wurde – trotz aller vorangegangenen Kritiken – von allen Gemeinderäten von DP, Déi Gréng, CSV, LSAP und déi Lénk angenommen.

Dagegen stimmte der kommunistische Gemeinderat Ali Ruckert, der angesichts der geplanten Zurückstufung des Krankenhauses in Niederkorn vor einer Verschlechterung der medizinischen Infrastrukturen und Dienstleistungen für die Bevölkerung aus Differdingen und aus dem gesamten Korntal warnte.

»Das ist kein Fortschritt«

»Aus der Sicht der KPL ist es kein Fortschritt«, so der kommunistische Gemeinderat, »wenn aus einem Einzugsgebiet von 100.000 Einwohnern ein ‚Hôpital général’ verschwindet und durch eine Rückenschule, eine Umweltklinik und ein ‚medizinisches Zentrum’ ersetzt wird, in welchem nur noch eine gewisse medizinische Grundversorgung bleiben soll.

Der KPL-Rat forderte hingegen eine Notfallstation mit unfallchirurgischer Abteilung und eigener Bettenstation und eine gynäkologische Abteilung für das Krankenhaus in Niederkorn. Mit der Motion, welche der Schöffenrat vorlegte, werde der Bevölkerung Sand in die Augen gestreut. Es werde verschleiert, dass das Konzept eines »Südspidol« mit einer radikalen Herabstufung des Krankenhauses in Niederkorn einhergehe. Für die Bevölkerung aus Differdingen und dem gesamten Korntal sei ein Rückschritt in der gesundheitlichen Versorgung nicht auszuschließen.