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Aus dem Differdinger Gemeinderat:

ArcelorMittal läßt sich früheres Industriegelände für »KreatifFabrik« fürstlich bezahlen

KPL-Rat Ali Ruckert spricht von falschen Prioritäten des Schöffenrats und fordert die Enteignung von ArcelorMittal für einen Euro

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09/11/2012

Die Gemeinde bezahlt ArcelorMittal insgesamt 900.000 Euro Miete, um drei frühere Industriehallen und das dazugehörende Gelände während 30 Jahren nutzen zu können.

In drei früheren Industriehallen, die an das Wohnviertel Fousbann angrenzen und nicht mehr von ArcelorMittal genutzt werden, will die Gemeinde Differdingen demnächst eine »KreatifFabrik« schaffen, wo Designer, Architekten, Filmschaffende, Künstler und Informationstechniker Unternehmen einrichten könnten. Auch die Sprachkurse, welche die Gemeindeverwaltung anbietet, könnten dahin verlegt werden.

Auf der Tagesordnung des Gemeinderats vom 7. November stand daher ein Kredit in Höhe von 552.000 Euro für die Finanzierung von technischen Einrichtungen auf dem Gelände, ein Kaufakt in Höhe von 140.000 Euro, um einen Zugang über die Rue Emile Mark zu schaffen und ein Pachtvertrag mit ArcelorMittal, laut welchem die Gemeinde 900.000 Euro bezahlen will, um die früheren Industriehallen und das dazugehörende Gelände für 30 Jahre zu mieten. Damit wird der finanzielle Bedarf für die Instandsetzung der insgesamt 15.000 Quadratmeter aber noch lange nicht abgedeckt sein.

Als einziger Gemeinderat stimmte KPL-Rat Ali Ruckert gegen die drei Kredite. Er warf dem DP/Déi Gréng-Schöffenrat vor, die Prioritäten falsch zu setzen zu einem Zeitpunkt, da es in der Gemeinde Differdingen noch immer Container gibt, in denen Schulklassen unter unzumutbaren Bedingungen untergebracht sind, und die Schüler und Lehrer, jedes Mal wenn es regnet, nasse Füße bekommen.

KPL-Rat: ArcelorMittal hat keinen Funken Anstand

Der kommunistische Gemeinderat kritisierte zudem, dass ArcelorMittal sich heute, nachdem manche Betriebe bereits geschlossen und Tausende von Arbeitsplätzen abgebaut wurden, früheres Industriegelände fürstlich von der öffentlichen Hand bezahlen lässt. »Wenn der Stahlkonzern auch nur einen Funken Anstand hätte, würde er der Gemeinde die Industriehallen gratis zur Verfügung stellen«, meinte der KPL-Vertreter«.

Die Kommunistische Partei, so Ali Ruckert, »ist nicht einverstanden damit, dass der Stahlkonzern ArcelorMittal, der während Jahrzehnten Profite mit der Ausbeutung der Arbeiter macht, nun auch noch Profit mit dem früheren Industriegelände macht.« Zu einem Zeitpunkt, da der Stahlkonzern das Hüttenwerk Schifflingen schließt, obwohl es rentabel arbeiten könnte, sei die KPL der Ansicht, »dass alle Betriebe und das gesamte Gelände von ArcelorMittal, auch die Hütte und das Indu­striegelände in Differdingen, für einen Euro enteignet werden müssten.«

Der Kredit für die Finanzierung von technischen Einrichtungen auf dem Gelände und der Kaufakt für den Zugang über die Rue Emile Mark wurden mit 18 Stimmen von DP, Déi Gréng, LSAP, CSV und déi Lénk gegen eine Stimme der KPL angenommen, der Pachtvertrag mit ArcelorMittal über 900.000 Euro mit 17 Stimmen, bei einer Enthaltung (déi Lénk) und einer Gegenstimme (KPL).

Zu erwähnen bleibt noch, dass ein CSV-Rat, der die vergangenen Jahrzehnte offensichtlich verschlafen hat, während der Stellungnahme des KPL-Rats aus seinem Schlaf aufwachte und grölte »Géi dach a Russland!«. Selig sind die Armen im Geiste, kann man da nur sagen.