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Ein Nachmittag in Grevenmacher:

Fürchtet die Wahrheit doch nicht!

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21/05/2014

Die Sektion Zentrum der KPL klärt mit einer Kundgebung seit einiger Zeit jeden Samstag die Bevölkerung auf über lokale, nationale, kontinentale und darüber hinausgehende Probleme. Nächsten Samstag findet das wieder in der hauptstädtischen Rue de la Poste gegenüber dem todgeweihten zentralen Busbahnhof Aldringen statt, aber am 17. Mai war die Fußgängerzone Grevenmachers beim Brunnen mit den beiden Traubenträgern unser Theater.

Wir sind dort auf eine uns bislang nicht bekannte Spezies gestoßen: Leute, die unsere beiden roten Fahnen mit Hammer und Sichel neben dem Parteinahmen KPL so sehr schreckten, daß sie Reißaus nahmen. Dafür gab’s weniger geprüfte antikommunistische Vorurteilsträger als am »Europafest« am Wochenende davor, und das obwohl alle sechs CSV-Kandidaten mit Anhang eine Stunde lang herumparadierten.

Mit dabei natürlich der CSV-Bezirkskaiser und Grevenmacher Bürgermeister, dessen Willkür wir anprangerten. Es war sogar möglich, einen Teil des Anhangs darüber aufzuklären, daß der Wirtschaftsanwalt Gloden sich zweimal über die klare Feststellung der Gesundheitsdirektion hinwegsetzte, die Wohnung im Parterre auf 36, rue de l’Eglise sei unbewohnbar, so lange die Mauer zum daran vorbeifließenden Bach nicht abgedichtet wird: denn so kriecht die Feuchtigkeit die Wand hoch und verursacht Schimmelpilz im Innern. Das Nichtstun erklärt sich wohl damit, daß besagte Wohnung vom Echternacher CSV-Präsidenten, der von Berufs wegen Sigi-Chef und Cisco-Administrator ist, vermietet wird. Dafür hat Léon Gloden dann aus eigener Machtvollkommenheit beschlossen, eine Wohnung im Haus 1, rue de Luxembourg sei nach einem Wasserschaden unbewohnbar, weil die Klospülung nicht mehr über die Wasserleitung funktionierte, sondern die Eimerspülung dafür einspringen mußte. Der dort Wohnende wurde von Amts wegen abgemeldet – eine Angelegenheit, die demnächst vorm Verwaltungsgericht verhandelt wird. Wir werden berichten!

Viviane Reding lieferte mit dem Ausruf: »Rußland ist kommunistisch, war kommunistisch und wird immer kommunistisch sein!« den Beweis, daß es hoch an der Zeit ist, sie als stellvertretende EU-Kommissionspräsidentin abzulösen, damit sie endlich 24 Jahre Zeitgeschichte nachholen kann. Sachen gibt’s, die’s eigentlich nicht geben sollte!

Besser informiert war hingegen der nicht mehr politisch aktive Grevenmacher Ehrenbürgermeister, der uns taxfrei erklärte, wir würden hier belogen über die Ukraine und Rußland, und »wir haben uns nicht an das gehalten, was wir 1990 versprochen haben«, nämlich Rußland nicht einzukreisen mit einer NATO- und EU-Osterweiterung. Und wäre er Putin, würde er wohl genauso handeln, wie dieser gerade jetzt. Da schaust!

Natürlich gab es auch eine Menge Gespräche mit nicht politisch Aktiven, am aufwühlendsten war wohl das, was uns wer erzählte, der im »Atelier protégé« in Schieren werkt.

Sozialer Skandal

Da erfuhren wir, daß die Invalidenrentner, die dort 40 Stunden die Woche arbeiten, unter Sozialminister Mars Di Bartolomeo sämtliche Prämien gestrichen bekamen. Zuvor konnte das schön regelmäßig 200 Euro im Monat ausmachen, wenn sie tagtäglich gut zu Werke waren. Damit zogen sie dann mit den ATI-Leuten gleich.

Unter der neuen Regierung wurde ihnen nun mitgeteilt, daß sie nicht mehr wie früher mit 60 in die normale Rente wechseln könnten, wenn sie bis dahin keine 40 Jahre gearbeitet hätten. Sie müßten dann bis 67 weiterarbeiten, es sei denn, die 40 Jahre würden davor erreicht. Wobei diese Leute gegenüber normalen Invalidenrentnern nicht nur den Nachteil haben, Vollzeit für lau arbeiten zu müssen, sondern auch noch 50 Eier im Monat für den öffentlichen Transport zum unbezahlten Arbeitsplatz hinlegen müssen.

Ob man das jetzt als Zwangsarbeit oder als Sklavenarbeit bezeichnen will: es ist ein Skandal, was da mit Menschen geschieht, die offiziell als »geistig behindert« geführt werden!