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Gelände für geplantes Lyzeum stark belastet

KPL-Rat Ali Ruckert: »Wer wird für die Entseuchung des belasteten Bodens bezahlen?«

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20/06/2014

Auf der Tagesordnung des Gemeinderats vom 18. Juni stand ein Kaufvorvertrag mit ArcelorMittal über ein drei Hektar und 72 Ar großes Grundstück am Ort genannt »An der Breetwiss«, gelegen hinter den kommunalen Werkstätten und dem »Hall de la Chiers«. Auf diesem Gelände, das Teil des »Plateau du Funiculaire« ist, soll ein Lyzeum gebaut werden, das bis dato noch immer in der drittgrößten Gemeinde des Landes fehlt, was eines von vielen Beispielen dafür ist, wie chaotisch es seit Jahrzehnten im Bildungsbereich in Luxemburg zugeht.

Den größeren Teil des Geländes – der Standort des zukünftigen Lyzeums –, wird die Gemeinde umgehend an den Staat weiterverkaufen, der verbleibende Teil soll genutzt werden, um den Eingang zum Stadtzentrum neu zu gestalten. Aus diesem Grund soll auch das leer stehende und inzwischen stark in Mitleidenschaft gezogene frühere Hadir-Verwaltungsgebäude, das 1964 gebaut und bis vor wenigen Jahren noch von Arcelor genutzt wurde, abgerissen werden.

Allerdings gibt es im Fall des Grundstücks für das zukünftige Lyzeum, das die Gemeinde für 5,479 Millionen Euro kaufen will, einen Haken, denn es handelt sich um ein früheres Industriegelände, dessen Untergrund teilweise stark mit polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen, Arsen, Nickel und Zink belastet ist. Das ergab die Auswertung von 13 Bohrungen, die zwischen dem 27. Mai und dem 11. Juni 2011 in 5,5 bis 11 Meter Tiefe von der Gesellschaft Prosolut durchgeführt wurden.

KPL-Rat kritisiert Verkaufspreis

Der kommunistische Rat Ali Ruckert zeigte sich empört darüber, dass die Stahlherren, die in Differdingen ganze Betriebsteile schlossen und Tausende von Arbeitsplätzen vernichteten, nun schon zum wiederholten Male öffentliche Gelder in Millionhöhe mit einem stillgelegten Industriegelände kassieren wollen, welches seinerzeit für einen Apfel und ein Stück Brot gekauft wurde. Laut Ansicht des kommunistischen Rats hätte der Verkaufpreis nicht mehr als einen symbolischen Euro betragen dürfen.

Der KPL-Rat kritisierte zudem, dass der Kaufvorvertrag keinen Aufschluß darüber gibt, wer finanziell dafür gerade stehen muß, wenn 35.000 Kubikmeter Boden oder ein Teil davon im Ausland entseucht werden müssen, was in der Diagnose von Prosolut nicht ausgeschlossen wird. Im Kaufvorvertrag geht hingegen nur die Rede davon, ArcelorMittal werde Böden, die stark belastet seien, auf der Privatdeponie des Konzerns auf dem Gelände des Differdinger Hüttenwerks ablagern. Niemand weiß, wann diese Zeitbombe mit Tausenden von Tonnen giftiger Schlämme aus der Stahlproduktion explodieren wird.

Warum bekam die Umweltkommission das Dossier nicht zugestellt?

Heftige Vorwürfe machte der kommunistische Rat dem Schöffenrat von Déi Gréng, LSAP und CSV, weil der Umweltkommission dieses brisante Dossier im Vorfeld der Gemeinderatssitzung nicht zugestellt wurde, so dass sie sich bisher nicht dazu äußern konnte. Bürgermeister Roberto Traversini (Déi Gréng) blieb zwar Antworten auf die gestellten Fragen schuldig, versprach aber, dass den Bedenken Rechnung getragen werde und dass die Umweltkommission mit dem Dossier befasst werde, bevor der eigentliche Kaufvertrag unterzeichnet werde.

Mit Ausnahme des KPL-Rats, der gegen den Kaufvorvertrag stimmte, gaben alle anderen Räte ihre Zustimmung, auch die Räte Fränz Schwachtgen (Déi Gréng) und Gary Diderich (Déi Lénk), die zuvor gleiche oder ähnliche Bedenken wie der kommunistische geäußert hatten.