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Punktuelle Abänderung des Flächennutzungsplans mit großen Folgen : Differdinger Gemeinderat schiebt dem Abriß von Einfamilienhäusern einen Riegel vor

Ali Ruckert (KPL): Allgemeininteressen machen Planwirtschaft unumgänglich

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06/10/2014

Eine punktuelle Abänderung des Flächennutzungsplanes soll der chaotischen urbanistischen Entwicklung der vergangenen Jahre ein Ende setzen.

Der Differdinger Gemeinderat verabschiedete am 1. Oktober mehrheitlich eine punktuelle Abänderung des Flächennutzungsplanes (»Plan d’Aménagement Général«, PAG), welcher der chaotischen urbanistischen Entwicklung der vergangenen Jahre ein Ende setzen wird. Es soll verhindert werden, dass zunehmend Einfamilienhäuser von Baulöwen aufgekauft, abgerissen und durch mehrstöckige Residenzen ersetzt werden. Für den einzelnen Immobilienhai ist das profitabel, während die negativen Folgen dieser unkontrollierten, rasanten Entwicklung auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.

Während der vergangenen zehn Jahre, während denen die DP, allerdings mit der Unterstützung der Grünen, das Zepter im Schöffenrat schwang, wurden, quer durch die verschiedenen Wohnviertel, 87 Einfamilienhäuser durch 66 Residenzen mit 760 Wohnungen ersetzt.

KPL-Rat Ali Ruckert begrüßte die punktuelle Abänderung des Flächennutzungsplans ausdrücklich. Er erinnerte daran, dass die drei Schöffenratsparteien LSAP, CSV und Déi Gréng Anhänger der »freien Marktwirtschaft« seinen, nun aber sich der Planwirtschaft zuwenden müssten, um die negativen Auswirkungen der »freien Marktwirtschaft« auf die Entwicklung der Stadt Differdingen zu stoppen. Wenn die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt werden sollen – und das gilt nicht nur für die Stadtentwicklung –, sei die Planwirtschaft die einzige gangbare Alternative, so der KPL-Rat. Er sprach auch von der Notwendigkeit, die Abänderung des PAG durch eine Steuer auf der Bodenspekulation zu ergänzen, welche dem Bodenwertzuwachs entsprechen sollte.

Die Abänderung des Flächennutzungsplans, von der allerdings die Hauptzufahrtsstraßen aus Petingen, Niederkerschen, Sanem und Beles ausgenommen bleiben sollen, wurden mit 12 Stimmen (LSAP, CSV, Déi Gréng, Déi Lénk, KPL) gutgeheißen. Die sechs DP-Räte enthielten sich.
Die Abänderung soll bis zu dem Zeitpunkt gelten, da der neue Flächennutzungsplan in Kraft treten wird. Das kann noch bis zu zwei Jahren dauern.

Am 8. Oktober wird der Schöffenrat in einer öffentlichen Informationsversammlung im Kulturzentrum »aalt Stadthaus« eingehend über die vom Gemeinderat beschlossene, punktuelle Abänderung des Flächennutzungsplanes informieren.

Kommt eine private Uni nach Differdingen?

Zu Beginn der Gemeinderatssitzung hatte Bürgermeister Roberto Traversini die Räte davon in Kenntnis gesetzt, dass die deutsche Aktiengesellschaft Cognos, die in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Tschechien private Hochschulen betreibt, daran Interesse habe, eine Niederlassung im Gebäude des alten Schwimmbads in Oberkorn einzurichten. Ursprünglich sollte das Gebäude eigentlich abgerissen werden. In der neuen Hochschule für Physiotherapie sollen in einer ersten Phase 100, später dann bis zu 600 Stundenten unterrichtet werden.

KPL-Rat Ali Ruckert ärgerte sich darüber, dass erneut ganz gezielt ein Teil der Presse über dieses Vorhaben in Kenntnis gesetzt wurde, noch bevor der Gemeinderat über die seit Monaten andauernden Vorgespräche des Schöffenrats mit der Aktiengesellschaft informiert wurde.

Er warf dem Schöffenrat zudem vor, Differdingen zu einem Eldorado für Privatschulen machen zu wollen, während gleichzeitig noch immer Klassen der öffentlichen Grundschule in Containern untergebracht sind.