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100 Jahre Kommunistische Internationale – Internationale Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien in Izmir

Die Erfahrungen für die heutigen Herausforderungen nutzbar machen

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25/10/2019

Zu ihrer 21. Internationalen Konferenz trafen sich vom 18. bis 20. Oktober dieses Jahres Vertreter kommunistischer und Abeiterparteien in Izmir in der Türkei. Ausgerichtet wurde das Treffen gemeinsam von der der Kommunistischen Partei der Türkei und der Kommunistischen Partei Griechenlands.

Auf Beschluß der Arbeitsgruppe, welche die Konferenzen Jahr für Jahr vorbereitet, stand das diesjährige Treffen ganz im Zeichen des 100. Jahrestags der Kommunistischen Internationale, deren Gründungskongress vom 2. bis 6. März 1919 in Moskau stattfand und an dem 35 Parteien und Organisationen aus 21 Ländern teilnahmen.

In Izmir waren 74 kommunistische und Arbeiterparteien aus 58 Ländern zugegen, davon 35 Parteien aus 25 europäischen Ländern, unter ihnen die KPL und kommunistische Parteien aus unseren drei Nachbarländern.

Nachstehend dokumentieren wir Auszüge aus der Rede von KPL-Präsident Ali Ruckert:

Die Gründung der Kommunistischen Internationale fand in einer revolutionären Periode statt, in welcher der Bruch mit dem Kapitalismus in einer ganzen Reihe von Ländern möglich schien. Das führte dazu, dass Mehrheiten in bestehenden sozialdemokratische Parteien mit den opportunistischen Kräften, die den imperialistischen Krieg unterstützt und mit den bürgerlichen Kriegstreibern kollaboriert hatten, brechen und revolutionäre Veränderungen durchsetzen wollten, sich zur Kommunistischen Internationale und deren Zielen bekannten und den Namen ihrer Parteien in kommunistisch Partei abänderten.

In anderen Ländern, wie in Luxemburg am 2. Januar 1921, in denen die Revolutionäre in der Unterzahl blieben, gründeten sie neue kommunistische Parteien. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte es schon große Niederlagen der kommunistischen Kräfte in mehreren europäischen Ländern gegeben, und die revolutionäre Welle war bereits am Abklingen. (…)

Unbestreitbar ist, dass die Kommunistische Internationale mit ihrem 7. Kongress im Jahre 1935 regelrecht Geschichte schrieb, als sie, nach langen kollektiven Analysen und Debatten, als einzige politische Kraft den Klassencharakter des Faschismus erkannte und offenlegte, die marxistisch-leninistische Strategie und Taktik im antifaschistischen, antiimperialistischen und Antikriegskampf weiterentwickelte, das Verhältnis von Kommunisten und Sozialdemokraten auf neue Art bestimmte, die Herstellung der Aktionseinheit der Arbeiterklasse zum Kern für die Abwehr des Faschismus erklärte und die Volksfrontpolitik entwickelte.

Für die Kommunisten von heute ist es wichtig, sich mit der Geschichte der Kommunistischen Internationale auseinanderzusetzen, mit ihren Erfolgen und Niederlagen, ihren ideologisch-theoretischen Grundsätzen, ihren geschickten taktischen Entscheidungen und ihrer organisatorischen Ausrichtung, aber auch mit deren Schwächen und Fehlen, die begangen wurden. Nicht nur, um die eigene Geschichte zu kennen, sondern um zu erkunden, welche Erkenntnisse und Schlussfolgerungen daraus für die heutige Zeit und die Arbeit der Kommunisten gezogen werden können. Und das ist eine ganze Menge. (…)


(Foto: TKP)

Anders als 1919 befinden wir uns heute nicht in einer revolutionären Periode.

Die Niederlage, welche die kommunistische Bewegung erlitt, als in der Sowjetunion und in anderen Ländern im Osten Europas, in denen sich frühsozialistische Gesellschaften entwickelt hatten, der Kapitalismus restauriert und die DDR von der Bundesrepublik annektiert wurde, wirkt auch 30 Jahre später noch immer nach, der Antikommunismus ist allgegenwärtig, das Klassenbewußtsein in der Arbeiterklasse und unter den Lohnabhängigen insgesamt ist niedrig und die soziale Frage wird inzwischen teilweise von der Klimafrage überlagert, ohne dass es seitens der kommunistischen Parteien die notwendigen kollektive Bemühung geben würde, Antworten auf diese Herausforderung zu finden. (…)

Wir haben während der vergangenen Jahre erlebt, dass manche kommunistische Parteien zum Teil heftige Wahlniederlagen hinnehmen mußten, und das selbst in Ländern, in denen Sozialdemokraten oder sogenannte Linke auf Regional- oder Landesebene an der Regierung waren, und zu erwarten gewesen wäre, dass es einen Linksruck hin zu den Kommunisten geben würde, was aber nicht der Fall war. (…)

Das Abschneiden bei Wahlen ist Indikator dafür, wie groß der Einfluss einer Partei in der Bevölkerung ist, auch wenn es andere Indikatoren gibt, mit denen der Einfluss gemessen werden kann, wie die Mitgliederzahlen, die Verbreitung der kommunistischen Presse, die Verankerung der kommunistischen Partei in den Betrieben und in den Gewerkschaften. Notwendig ist, kollektiv über die Ursachen dieser Entwicklung nachzudenken.

Das Gleiche gilt für die Frage, wie wir uns den Sozialismus und den Weg dahin vorstellen, wohl wissend, dass es erstens Allgemeingültigkeiten gibt, die von Marx, Engels und Lenin herausgearbeitet wurden und ohne deren Beachtung kein sozialistischer Entwicklungsweg möglich ist, dass zweitens zahlreiche Erfahrungen in positiver wie in negativer Hinsicht aus den frühsozialistischen Ländern gibt, die aufgearbeitet werden müssen, zum Beispiel aber nicht nur in den Bereichen der Entwicklung der Produktivkräfte und der Demokratie, und dass wir drittens zusätzliche Erfahrungen sammeln können in Ländern, die gegenwärtig einen sozialistischen Entwicklungsweg eingeschlagen haben, unter Bedingungen, die sich grundlegend von denen von 1917 und 1945 unterscheiden. (…)