Artikel

Wut und Solidarität

Salariatsvertreter und Personal der Guardian-Werke in Niederkerschen und Düdelingen kämpfen gemeinsam für Arbeitsplatz- und Investitionsgarantien

Schriftgröße fontsizedown
fontsizeup

E-mail

Drucken Drucken

Vergrößern

15/07/2020

Vincent Collin, Alain Rolling und Gabriel Bettembourg (v.l.n.r.)

Die zusammen rund 450 Mitarbeiter des US-amerikanischen Glasherstellers Guardian sind wütend: Der nicht mehr erneuerte Flachglasofen im Düdelinger Werk wurde vergangene Woche für immer abgeschaltet und die 70 Schaffenden, die ihn bedienten, wurden zunächst bis Ende August auf Kurzarbeit gesetzt. Weil auch der »Floatofen« im Niederkerschener Guardian-Werk im nächsten, spätestens aber im übernächsten Jahr ebenfalls erneuert werden muß, fürchten viele, daß die Konzernführung in Auburn Hills, Michigan auch diese nach Konzernangaben 90 bis 100 Millionen Euro schwere Investition nicht tätigen wird und auch ihre Arbeitsplätze bald dem Rotstift des Managements zum Opfer fallen könnten.

Doch das Chemiesyndikat des OGBL und die Personaldelegationen der Guardian-Werke sind weiter kampfentschlossen: »Wir gehen hier nicht mehr weg! Wir werden diesen Kampf gewinnen!«, rief Alain Rolling, der beigeordnete Zentralsekretär des OGBL-Syndikats Chemie, den gut 150 Manifestanten zu, die sich am Mittwoch in der Mittagsstunde am bereits zweiten Protestpiquet des OGBL, diesmal vor dem Haupteingang des Guardian-Werks in Niederkerschen, beteiligt haben. Mit den Präsidenten der beiden Personaldelegationen, Vincent Collin und Gabriel Bettembourg, bekräftigte er, die Mitarbeiter von Guardian in Luxemburg sähen sich nun als »Einheit«, um gemeinsam für eine allgemeine Arbeitsplatzgarantie und verbindliche Investitionszusagen zu kämpfen. Guardian habe zuletzt in Polen, Ungarn und England kräftig investiert, während vor zwei Jahren gemachte Versprechen, auch in Luxemburg längst überfällige Investitionen in Produktionsanlagen vorzunehmen, offenbar gebrochen worden seien.

»Dagegen müssen wir uns gemeinsam wehren!«, forderte Alain Rolling unter tosendem Applaus der Manifestanten. »Wir wollen endlich wissen, wie es weitergeht!« Nach über einer Woche sei eine Gesprächsanfrage der Salariatsvertreter bei Guardian Europe in Bartringen noch immer nicht beantwortet worden. Der Konzern benutze die Coronakrise als Vorwand, um längst angekündigte Investitionen auf Eis legen zu können. Die Entscheidung, den Glasofen in Niederkerschen zu erneuern, müsse aber bald getroffen werden, ein solcher Ofen lasse sich nun mal nicht in zwei Wochen aufbauen.

Die 450 Mitarbeiter in Luxemburg seien für das Guardian-Management in den USA offensichtlich »nur Zahlen«, empörte sich Rolling, doch es handle sich um »450 Menschen, die zusammen mit ihren Familien ein Recht auf Arbeit und gute Lohnbedingungen haben«. Die Salariatsvertreter würden jedenfalls »weiter mobilisieren und um jeden Arbeitsplatz kämpfen«. Neben anderen Syndikaten und Sektionen des OGBL waren die KPL und déi Lénk gestern wieder mit Solidaritätsdelegationen vertreten.