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Aus dem Differdinger Gemeinderat vom 20. Juli 2016

Ein interessantes Sozialprojekt, eine »Bëschcrèche« und ein Märchenpark

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22/07/2016

Für eine Monatsmiete von 9.000 Euro wird die Gemeinde Differdingen ab dem 1. September 2016 das frühere »kleine Casino« auf dem Marktplatz in Differdingen, bestehend aus einem Restaurant und 13 Hotelzimmern übernehmen, um ein soziales Projekt zu verwirklichen.

Für eine Monatsmiete von 9.000 Euro wird die Gemeinde Differdingen ab dem 1. September 2016 das frühere »kleine Casino« auf dem Marktplatz in Differdingen, bestehend aus einem Restaurant und 13 Hotelzimmern übernehmen. In dem Gebäude, das das seit längerem leer steht, will die Gemeinde, zusammen mit dem Sozialamt, das von der Gemeinde und dem Staat finanziert wird und Subventionen der »Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte« bekommt, ein soziales Pilotprojekt betreiben und arbeitslosen Jugendlichen und sozial benachteiligten Menschen und Flüchtlingen eine Ausbildung im Restaurant- und Hotelgewerbe ermöglichen. Gleichzeitig soll dies zur Belebung des Differdinger Marktplatzes beitragen.

Um mit dem Restaurant und den Hotelzimmern nicht in eine rechtliche Grauzone zu kommen, soll eine nicht-kommerzielle »Société à impact sociétal« geschaffen werden. Der Haken dabei ist nur, dass das entsprechende Gesetzesprojekt, das bereits 2015 in der Abgeordnetenkammer deponiert wurde, bis heute in einer Schublade der Chamber liegt.

KPL-Rat: »Gemeinderat wird wieder einmal sehr spät informiert«

KPL-Rat Ali Ruckert begrüßte die Initiative prinzipiell und forderte ein tragfähiges Konzept, bedauerte aber gleichzeitig, dass solch kommunale Projekte notwendig sind, »da die Regierung und der Staat im Ausbildungs- und Beschäftigungsbereich versagen«. Insbesondere kritisierte er, dass der Schöffenrat schon wieder einmal Zeitdruck vorschob, um zu rechtfertigen, dass die Gemeinderäte erst sehr spät – im Falle des KPL-Rats erst am 14. Juli in der kommunalen Finanzkommission – über die Initiative in Kenntnis gesetzt wurden. Die Konvention über den Mietvertrag wurde mit 12 Stimmen bei sieben Enthaltungen der DP-Räte angenommen.

1.252 Kinder in Tagesstrukturen

Einstimmig verabschiedet wurde die Organisation der »Maisons relais«. In der Gemeinde Differdingen gibt es gegenwärtig sechs solcher Tagesstrukturen, in denen 1.252 Kinder eingeschrieben sind; das sind 48 Prozent aller Kinder im entsprechenden Alter. KPL-Rat Ali Ruckert lobte die gute Organisation, das interessante pädagogische Konzept und den Einsatz des Personals, machte aber auch darauf aufmerksam, dass es immer noch eine Warteliste gibt und forderte weitere Anstrengungen in diesem Bereich. Er machte aber auch auf die Notwendigkeit aufmerksam, die Eltern eingehender und nicht nur mittels schriftlicher Verordnungen zu informieren, denn viele Eltern sind mit dem Amtsfranzösisch, in welchem ihnen die Aufnahme- und Zahlungsbedingungen erklärt werden, völlig überfordert.

Einstimmig bewilligten die Räte auch einen ersten Kredit in Höhe von 300.000 Euro für die Schaffung einer »Bëschcrèche« auf dem Gelände der Obstbaumplantage »Kannerbongert« in Niederkorn. Dort sollen in einer ersten Phase zwei hölzerne Chalets verankert werden, denen zu einem späteren Zeitpunkt vier weitere folgen könnten. Ab Herbst 2017 sollen hier vorerst 12 Kinder betreut werden. Bis dahin sollen auch noch Bodenbohrungen vorgenommen werden, um jedes Risiko auszuschließen.

Schon was von Differdinger »Seeërcher« gehört?

Ohne Gegenstimme wurde auch ein Kredit in Höhe von 330.000 Euro für die Schaffung eines »Märchenparks« angenommen. Unweit des Metzkimmert in Differdingen sollen auf einem Rundweg sechs Märchen, darunter »Rotkäppchen und der Wolf« und »Schneewittchen«, mittels Holzfiguren und -bauten thematisiert und durch einheimische Tiere aus Holz und linsenlose Beobachtungsfernrohre, durch welche die Kinder die Umgebung erspähen können, ergänzt werden.

KPL-Rat Ali Ruckert warf dem Schöffenrat vor, mir dem »Märchenpark« ein nur wenig originelles Projekt zu verwirklichen. Er hätte es lieber gesehen, wenn für die Holzfiguren auf lokale Sagen zurückgegriffen worden wäre, und zitierte aus dem »Sagenschatz des Luxemburger Landes« von Nikolaus Gredt »Die geheimnisvolle Kutsche zu Niederkorn«, »Die wilde Frau zu La Sauvage«, »Das riesige Gespenst bei Differdingen« und »Die Burjoffer zu Niederkorn«. Aber das dürfte für die meisten Räte völliges Neuland gewesen sein.